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Lebenszyklus


Lebenszyklus der Asiatischen Tigermücke

Im Lebenszyklus von Aedes albopictus (Bild 1) werden insgesamt vier Entwicklungsstadien durchlaufen: Ei, Larve, Puppe und Imago (erwachsene geschlechtsreife Insekt).

Ei
Die Eier der Asiatischen Tigermücke sind oval, ca. 0,5 mm lang und schwarz glänzend (Bild 2). Wie alle Stechmücken der Gattung Aedes besitzt auch Aedes albopictus trockenresistente Eier. Dies ist eine Anpassung an die natürlichen Brutstätten der Art, in welchen Wasserstandsschwankungen und Austrocknungen saisonal oder unvorhersehbar vorkommen. Der äußerst effektive Verdunstungsschutz der Eier wird durch das Ausbilden der Serosa (Eihaut) erreicht, welche wie das Exoskelett der Imagines Chitin enthält. Nach vollständiger Embryogenese von ca. zwei bis vier Tagen bei 25 °C nach Eiablage können in diesen trockenresistenten Eiern die schlupffertigen Larven über mehrere Monate überleben.
Zusätzlich besitzt Aedes albopictus die Fähigkeit, Diapause-Eier abzulegen. Als ursprünglich tropische Art konnte sie sich dadurch auch in gemäßigten Klimaten ansiedeln, da diese Diapause-Eier gegenüber den Nicht-Diapause-Eiern eine höhere Kältetoleranz aufweisen. Zusätzlich wird durch die Schlupfhemmung der Larven in den Diapause-Eiern verhindert, dass diese im Spätsommer und Anfang Herbst in die kalte Jahreszeit hineinschlüpfen und sterben.
Obwohl die Diapause im Ei-Stadium zum Ausdruck kommt, wird sie während des Puppen und vor allem während des Imaginalstadiums initiiert. Hierbei spielt vor allem die Tageslänge eine entscheidende Rolle; die Temperaturen wirken zusätzlich modifizierend. So werden abhängig von Temperatur und Aedes albopictus-Stamm bei einer Tageslänge von etwa 14 h und darunter, Diapause-Eier von den Weibchen abgelegt.

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Larve
Nach vollständiger Embryogenese warten die schlupffertigen Larven in den Eiern auf einen Anstieg des Wasserstandes in den Brutstätten. Bei einer Wassertemperatur von mindestens 11 °C erfolgt der erste Schlupf der Larven . Die höchsten Schlupfraten werden bei einer Temperatur von 25 °C erreicht. Ein geringer Sauerstoffgehalt, natürlicherweise durch biologische Aktivität bzw. einem hohen Anteil an organischer Substanz in den Brutstätten hervorgerufen, wirkt als zusätzlicher Schlupfreiz.
Wie bei allen Stechmücken durchlaufen auch die Larven von Aedes albopictus nach dem Schlupf aus dem Ei insgesamt vier Larvenstadien, deren Entwicklung komplett an das Wasser gebunden ist. Zwischen den einzelnen Entwicklungsstadien führen die Tiere Häutungen durch. Im vierten Larvenstadium erfolgt eine massive Größenzunahme, welche am Ende durch die Larven-Puppenhäutung abgeschlossen wird.
Für die Luftaufnahme besitzt die Larve am Hinterleib ein Atemrohr, mit welchem sie sich an der Wasseroberfläche verankern kann. Zusätzlich ist die Larve zur Hautatmung befähigt, so kann sie bei Störung an der Wasseroberfläche längere Zeit am Grunde der Brutstätte verweilen.
Als Nahrung dienen Mikroorganismen und organisches Material. Die Nahrung wird meist als Feinstpartikel aus dem Wasserkörper mit speziell ausgebildeten Mundwerkzeugen ein gestrudelt oder vom Substrat abgeweidet.
Die Entwicklungsgeschwindigkeit der verschiedenen Entwicklungsschritte von Aedes albopictus ist von der Temperatur abhängig. So dauert die komplette Larvenentwicklung bei 30 °C nur etwa sieben, bei 20 °C schon bis zu 15 und bei 15 °C schon über 30 Tage. Auch das Nahrungsangebot und die Larvendichte beeinflussen die Entwicklungsgeschwindigkeit von Stechmückenlarven. Letztere spielt vor allem in den größenmäßig oft beschränkten Larvenbrutstätten von Aedes albopictus eine entscheidende Rolle.

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Bild 3

Puppe
Stechmücken vollziehen wie alle holometabolen Insekten in ihrer juvenilen Entwicklung eine vollständige Metamorphose, welche im Puppenstadium erfolgt.
Das Puppenstadium ist gegenüber den Larvenstadien nicht zur Nahrungsaufnahme und zu Wachstum befähigt. Im oberen Bereich der Puppe befindet sich ein Paar Atemhörnchen, mit welchem die Puppe an der Wasseroberfläche Luft aufnimmt. Im Gegensatz zu den Larven von Aedes albopictus sind die Puppen aufgrund der starken Sklerotisierung ihrer Außenhaut nicht zur Hautatmung befähigt.
Das Puppenstadium dauert deutlich kürzer als die Larvenentwicklung, wird aber wie diese ebenfalls stark durch die Wassertemperatur beeinflusst. So ist die komplette Puppenentwicklung bei einer Wassertemperatur von 30 °C schon nach ca. 1,8 Tagen abgeschlossen, während sie bei 20 °C etwa fünf Tage und bei 15 °C schon etwa 10 Tage dauert.
Wie bei allen Stechmücken verbleiben die Puppen im Wasser und atmen unter der Wasseroberfläche hängend durch zwei Atemröhrchen am Vorderende. Sie sind beweglich, können bei Störung fliehen und von der Wasseroberfläche abtauchen. Da sie leichter als Wasser sind, steigen sie ohne aktive Schwimmbewegung wieder zur Oberfläche auf.

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Bild 4

Imago

Schlupf
Schlupf Wie bei allen Stechmücken schlüpfen auch bei Aedes albopictus die männlichen Tiere vor den Weibchen (Bild 5, Bild 6). Schon ungefähr zehn Minuten nach dem Schlüpfen sind Stechmücken zu kurzen Flügen fähig; die normale Flugfähigkeit erreichen sie nach ca. einer Stunde. Im Allgemeinen gilt die Asiatische Tiermücke jedoch als schlechter Flieger, welcher sich meist in Bodennähe aufhält und stärkere Winde meidet.

Paarung
Etwa zwei bis drei Tage nach dem Schlüpfen der erwachsenen Tiere erfolgt die Paarung (Bild 7). Die Männchen bilden Paarungsschwärme in der Nähe potentieller Wirte und versuchen, sich mit Weibchen zu paaren, welche eine Blutmahlzeit aufnehmen wollen. Dabei erkennen die Männchen die Weibchen an ihrem charakteristischen Flugton und fliegen diese direkt an. Die Paarung dauert etwa 10 Sekunden und erfolgt meist im Flug oder gelegentlich in der Vegetation sitzend.

Blutmahlzeit
Die Asiatische Tigermücke benötigt für die Entwicklung von Eiern in den Ovariolen eine Blutmahlzeit (Bild 8). Vor der Aufnahme von Blut decken sie ihren Energiebedarf durch Nektar und andere Pflanzensäfte. Dies ist auch die einzige Nahrungsquelle von männlichen Tieren, welche keinen Stechrüssel besitzen und keine Blutmahlzeit aufnehmen können.
Die Hauptstechaktivität von Weibchen der Asiatischen Tigermücke findet am Tage statt. Obwohl die Art selbst bei hellem Tageslicht sticht (Bild 9), ist die Stechaktivität eine Stunde nach Sonnenaufgang und eine Stunde vor Sonnenuntergang am höchsten. Die durchschnittliche bei einer Blutmahlzeit aufgenommene Blutmenge beträgt in etwa 2,1 μl. Die Asiatische Tigermücke besitzt ein breites Wirtsspektrum, welches nach Saison und Mikrohabitat variieren kann. Bevorzugt werden Säugetiere gestochen, allerdings wurden auch Blutmahlzeiten an Vögeln, Reptilien und Amphibien nachgewiesen. Eine hohe Attraktanz scheint vom Menschen auszugehen.

Eiablage
Etwa drei bis fünf Tage nach der Blutmahlzeit erfolgt die Eiablage. Hierbei werden die Eier eines Eiablagezyklus nicht innerhalb einer Brutstätte abgelegt, sondern meist auf mehrere verteilt. Ein Großteil der Weibchen nimmt schon 24 h nach der Eiablage eine neue Blutmahlzeit zu sich.
Der Zeitraum zwischen zwei Eiablagen mit aus verschiedenen Blutmahlzeiten entwickelten Eiern wird als gonotrophischer Zyklus (Eiablagezyklus) bezeichnet und dauert bei Aedes albopictus etwas fünf Tage bei 26 °C. Innerhalb eines Lebens legen Weibchen der Asiatischen Tigermücke etwa 300-345 Eier ab. Die Gelegegröße einer einzelnen Eiablage beträgt durchschnittlich 63 Eier und ist bei der ersten Eiablage am größten, da die Fruchtbarkeit der Weibchen mit dem Alter bzw. jedem weiteren Eiablagezyklus abnimmt.
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