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Brutstätten


Brutstätten der Asiatischen Tigermücke

Lebensbereiche
Die Asiatische Tigermücke war ursprünglich in den tropischen Regenwäldern Süd- und Südostasiens beheimatet. Die zunehmende Rodung der Urwälder und die Nutzung dieser Flächen als Weideland oder zum Anbau von Monokulturen, wie z. B. Soja, Palmöl oder Orangen, reduzierte zum einen die Biodiversität in diesen Gebieten, förderte zum anderen aber auch einzelne Arten, die sich dem schnellen Wechsel der Umweltbedingungen am besten anpassen konnten. So profitierte u. a. die Asiatische Tigermücke von dieser Umgestaltung, indem sie mehr und mehr die Nähe des Menschen suchte, sich an ihn adaptierte und sich schließlich so zu einem Kulturfolger entwickelte.
Besiedelte sie zunächst die stark anwachsenden bzw. neu entstandenen Siedlungen am Rande der landwirtschaftlich genutzten Flächen, wurde sie durch die Aktivitäten des Menschen rasch in alle Landesteile und in nur wenigen Jahrzehnten über alle, vom Menschen besiedelten Kontinente verbreitet. Besonders bevorzugte Habitate sind vorstädtische, suburbane Gebiete mit einem hohen Gartenanteil in klimatisch begünstigten Regionen. In diesen Siedlungsbereichen findet Aedes albopictus zahlreiche Brutstätten um sich zu vermehren, schattige Hecken und Gebüsche mit erhöhter Luftfeuchtigkeit als geeignete Ruhe- und Rückzugszonen und eine ausreichende Anzahl von Wirten für die obligate Blutmahlzeit. Durch die zunehmend engere Anbindung an den Menschen stieg auch dessen Bedeutung als wichtiger Blutlieferant für die Asiatische Tigermücke.


Brutstättenbiologie
Um die Entwicklung ihrer Nachkommen sicherzustellen, legt die weibliche Asiatische Tigermücke ihre Eier bevorzugt dort ab, wo ideale Bedingungen herrschen. Sowohl das Vorhandensein von stehendem Wasser, die Wasserqualität, das Wirtsvorkommen, als auch der Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung spielen hierbei eine Rolle. Bei dieser Auswahl der Brutstätten zeigt Aedes albopictus jedoch eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit und nutzt so eine große Bandbreite an natürlichen und künstlichen, wassergefüllten Gefäßen.
Da die Asiatische Tigermücke originär in Wäldern beheimatet ist, stellen wassergefüllte Aushöhlungen in Bäumen (Dendrotelmen) wohl die ursprünglichste Form der Brutstätten von Aedes albopictus dar (Bild 1). Aber auch in natürlichen Wasseransammlungen, wie z.B. in den Blattachseln von Bromelien, in Gräben, in Felsaushöhlungen oder in Schneckenschalen wurden Larven der Art gefunden. In der Umgebung von menschlicher Aktivität nutzt Aedes albopictus als typischer Containerbrüter die große Fülle an künstlichen Brutgefäßen (Bild 2 - 4) und ist im besiedelten Gebiet deutlich häufiger und in größerer Dichte anzutreffen. So machten bei einer Studie in Singapur künstliche Wasseransammlungen 95% aller Brutstätten der Art aus und Larven der Asiatischen Tigermücke konnten selbst in weggeworfenen Flaschen, Haushaltsgeräten und sogar Ameisenfallen gefunden werden.

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Zwar erfolgt die Eiablage bevorzugt in Brutstätten in Bodennähe, aber selbst in Eiablagefallen in sieben Meter Höhe wurden vermehrt Eier von Aedes albopictus gefunden. Eiablagemöglichkeiten mit dunklerem Wasser werden denen mit klarem Wasser vorgezogen. Ebenso haben Infusionen aus Heu und Laub einen positiven Einfluss auf die Anzahl der abgelegten Eier, wobei der Eutrophierungsgrad des Gewässers auch nicht zu hoch sein darf. So stellen sehr nährstoffreiche aufgelassene Sicker- und Jauchegruben, wie sie in ländlichen Gebieten noch des Öfteren vorhanden sind, offensichtlich keine attraktiven Brutstätten für eiablagebereite Weibchen dar.
Auch der Grad der Zugänglichkeit zu einer Brutstätte ist für die Auswahl durch das Weibchen von großer Bedeutung. Je abgedichteter ein Container ist und desto dunkler die wenigen verbliebenen Ritzen und Spalten zum Ein- und Ausfliegen sind, desto attraktiver erscheint er den Tigermücken als Eiablagestätte. So besteht die Gefahr, dass beim Versuch einen Container vollständig abzudichten kleine Öffnungen ausgespart bleiben und damit aus einer mäßig attraktiven eine sehr attraktive Brutstätte wird (Bild 5-7).
Innerhalb der Brutstätte werden rund 75 % der Eier in einem schmalen Bereich von bis zu 16 mm oberhalb der Wasseroberfläche und nur etwa 10 % direkt auf die Wasseroberfläche abgelegt. Bei hohen Temperaturen im Sommer muss der Wasserkörper in der Brutstätte lediglich 5-6 Tage existent sein, damit sich die Larve vollständig zum erwachsenen Tier entwickeln kann. Um das Risiko des Austrocknens und damit den Verlust der gesamten Nachkommenschaft zu minimieren, verteilt das Weibchen die ca. 70-80 Eier eines Ablagezyklus auf verschiedene Brutstätten.


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