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Bedeutung


Bedeutung der Asiatischen Tigermücke für den Menschen

Lebensqualität
Aedes albopictus zeigt ein sehr aggressives und ausdauerndes Stechverhalten auch am Tage und kann bei höheren Populationsdichten zu sehr starker Belästigung führen. Aufgrund ihrer guten Anpassungsfähigkeit kann sich die Asiatische Tigermücke rasch ausbreiten, bei günstigen Bedingungen hohe Populationsdichten erreichen und massiven Einfluss die menschliche Aktivität und die Lebensqualität der Bevölkerung haben.

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So galt die Art schon wenige Jahre nach ihrer Einbürgerung als Hauptplage in weiten Bereichen von Italien und in den USA. In Deutschland kam es im Verbreitungsgebiet der beiden ersten größeren brütenden Populationen (Freiburg, Heidelberg) bis zu ihrer Entdeckung und Bekämpfung teilweise zu extrem starker Belästigung, sodass einzelne Bürger über die Aufgabe ihre Kleingartenparzelle oder sogar über den Verkauf ihres Hauses im Falle einer weiterhin bestehenden Einschränkung ihrer Lebensqualität nachdachten.


Die medizinische Bedeutung der Tigermücke in Deutschland

Stechmücken und Krankheiten
Stechmücken sind blutsaugende Insekten und können bei einem Stich Krankheitserreger (Viren, Bakterien, Einzeller oder Würmer) übertragen. Weltweit am bedeutendsten sind neben der Malaria virusbedingte Infektionen durch Dengue-, Chikungunya-, Zika- und West-Nil-Viren. Von den mehr als 350 bekannten verschiedenen Arboviren (Abkürzung für arthropod borne viruses, d.h. Viren die von Arthropoden (Gliederfüßer) übertragen werden können), sind ca. 95 auf den Menschen übertragbar.
Als wichtigste Überträger von Arboviren gelten die beiden invasiven Stechmückenarten Aedes aegypti und Aedes albopictus, durch deren Stiche weltweit jährlich tausende Menschen infiziert werden. Typische Symptome von Arbovirusinfektionen sind Fieber, Hautauschlag, Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen. In einigen Fällen kann es auch zu schweren inneren Blutungen kommen. Während Aedes aegypti bisher in Europa nur auf Madeira und an der Ostküste des Schwarzen Meeres stabile Populationen aufbauen konnte, breitet sich Aedes albopictus in Europa immer weiter aus.

Aedes albopictus und Krankheiten
Experimentell und im Freiland konnten 23 verschiedene Viren in Aedes albopictus nachgewiesen werden, die wichtigsten darunter sind das Dengue-, Chikungunya-, West-Nil-, St.-Louis-Enzephalitis-, Gelbfieber-, Rifttalfieber- und das Zika-Virus. Darüber hinaus konnten auch Fadenwürmer (Dirofilaren) in Wildfängen der Asiatischen Tigermücke identifiziert werden. Malaria kann hingegen nur von Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen werden, nicht von Aedes albopictus .

Von Stechmücken übertragene Krankheiten in Deutschland
Bereits in den 70iger Jahren wurden in Deutschland erstmals Tahyna-Viren (1968) in Stechmücken nachgewiesen. In den letzten acht Jahren konnten aufgrund vermehrter Forschung dann noch weitere Viren in einheimischen Stechmücken nachgewiesen werden: Batai-Virus (2009), Sindbis- Virus (2009) und das Usutus-Virus (2010).
Diese Viren können beim Menschen eine leichte Sommergrippe hervorrufen. Die Infektionsraten in Stechmücken und damit auch beim Menschen sind jedoch sehr niedrig, so dass die humanmedizinische Relevanz dieser Viren für die Bevölkerung als gering einzustufen ist. Lediglich das Usutu-Virus hat seit 2010 lokal zu einem Vogelsterben geführt, für den Menschen ist das Virus aber weitgehend ungefährlich. Nur In zwei Fällen kam es bei immungeschwächten Patienten aus Italien zu schweren Infektionen des Zentralnervensystems. Auch der Hundehautwurm, Dirofilaria repens wurde 2011 in einheimischen Stechmücken nachgewiesen. Der Hauptwirt dieses Erregers sind Hunde, der Mensch ist nur ein Fehlwirt, kommt es jedoch zu einer Infektion beim Menschen ist meist eine wandernde Schwellung und Knotenbildung an der Haut zu erkennen.
Ob die Asiatische Tigermücke in der Lage ist, diesen in Deutschland vorkommenden Parasiten zu übertragen ist größtenteils noch unbekannt. Sindbis- Viren und auch Usutu-Viren konnten in Aedes albopictus nachgewiesen werden, ob die Mücke die Viren jedoch übertragen kann ist bisher nicht bekannt.

Aedes albopictus und Krankheiten in Europa
In Italien kam es 2006/2007 zu einem Chikungunya Ausbruch mit ca. 250 Erkrankten, darunter ein Todesfall, nachdem eine infizierte Person aus Indien in die Region von Ravenna eingereist war. Bodenständige Populationen von Aedes albopictus waren maßgeblich für die Übertragung der Viren verantwortlich. Ausbrüche des Denguefiebers sind aus Frankreich in den Jahren 2010, 2013, 2014 und 2015 und auch aus Kroatien im September 2010 bekannt. In Italien werden regelmäßig die Fadenwürmer Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis in Hunden nachgewiesen. Dort kam es auch vermehrt zu humanen Fällen von Dirofilariosen.

Vektorkompetenz von Aedes albopictus
Diese Ausbrüche in Europa haben gezeigt, dass es sich bei Aedes albopictus um einen gefährlichen Vektor handelt, man spricht hier von einem Überträger mit großer Vektorkompetenz. Diese beschreibt die Fähigkeit eines Vektors (hier die Stechmücke) einen Erreger aufzunehmen, in sich zu halten und zu übertragen. Allerdings sind nur wenige Insektenarten Vektoren für Krankheitserreger, da die Pathogene viele Barrieren im Vektor überwinden müssen um übertragen werden zu können. Nachdem Stechmücken In Laborversuchen künstlich mit Viren infiziert wurden, untersucht man ob sich die Viren sich in den Mücken vermehren können und ob sie auch von der Mücke bei einem Stich übertragen werden können.
Aedes albopictus ist experimentell mit über 23 verschiedenen Viren erfolgreich infiziert worden, entscheidend ist allerdings ob diese Infektionssituation im Freiland auch zustande kommen würde. Deshalb beschreibt ein weiterer wissenschaftlicher Begriff, die Vektorkapazität, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Virus tatsächlich auf den Menschen übertragen wird. Hierbei werden zusätzliche generelle verhaltensbiologische, umweltassoziierte und zelluläre Faktoren miteinbezogen, wie zum Beispiel die Häufigkeit des Blutsaugens, die tägliche Überlebensrate der Stechmücken, die Auswahl der vorhandenen Wirte, die Verbreitung von Pathogen und Vektor und vieles mehr.
Die Asiatische Tigermücke zeichnet sich durch eine große Vektorkapazität aus, da es sich bei dieser Art um tagaktive Mücken handelt, die in einem kurzen Zeitraum sehr häufig und viele verschiedene Wirte stechen, vor allem aber Menschen und Säugetiere. Dadurch können Krankheiten schnell übertragen und verbreitet werden. Durch ihren Lebensraum, der sehr gut an den Menschen angepasst ist, kommt sie in dicht besiedelten Räumen vor und Epidemien können sich schnell ausbreiten. Generell sind Gegenden mit einer hohen Bevölkerungsdichte und geeigneten Tag- und Nachttemperaturen einem höheren Risiko ausgesetzt, allerdings müssen dort auch erst einmal Vektor, Pathogen und Wirt zusammentreffen.
In Europa besteht vor allem für Norditalien, Kroatien, Teile Österreichs, Serbien und für Frankreich westlich der Alpen ein erhöhtes Risiko. Immer häufiger werden zwar Fälle gemeldet bei denen Touristen sich im Ausland mit tropischen Krankheiten infizieren und diese mit nach Deutschland bringen. Um von einheimischen Mücken dann jedoch weiter übertragen zu werden müssen viele Faktoren zusammentreffen. Die Infizierte Person muss sich in der virämischen Phase befinden, das heißt die Anzahl der Viren im Blut muss hoch sein. Diese Phase ist meist nicht länger als eine Woche. In dieser Zeit muss die Person von einer kompetenten Überträgermücke gestochen werden, die Erreger müssen sich dann in der Mücke vermehren, dazu braucht es über einen langen Zeitraum hohe Temperaturen. Als nächstes muss das Virus in die Speicheldrüsen einwandern um dann bei einem weiteren Stich auf einen weiteren Menschen übertragen zu werden.

Die medizinische Bedeutung der Asiatischen Tigermücke in Deutschland
In Deutschland ist die Asiatische Tigermücke bisher nur durch ihr aggressives Stechverhalten aufgefallen, es sind keine Fälle bekannt bei denen es zur Übertragung von Krankheitserregern gekommen ist. Durch die Ausbreitung von Aedes albopictus in Deutschland ist das Risiko sich mit einer Krankheit zu infizieren gestiegen, da es sich um eine Mückenart handelt die potentiell viele verschiedene Viren übertragen kann. Vor allem die Ausbreitung tropischer Krankheiten kann durch sie beschleunigt werden.
Modelle sagen für Deutschland allerdings ein geringes Risiko vorraus, und dass es zu einheimischen Fällen von Dengue-, Zika- oder Chikungunya- Virus Ausbrüchen kommt, da die klimatischen Verhältnisse für diese Viren nicht optimal sind. In einer Studie bei der Aedes albopictus -Individuen aus einer Deutschlandpopulation mit dem Zika-Virus infiziert wurden, zeigte sich, dass die Mücken das Virus übertragen können, allerdings nur wenn die Mücken bei einer Durchschnittstemperatur von 27 ° C gehalten wurden. Bei 18 ° C konnte sich das Virus nicht in den Mücken entwickeln. Dies zeigt deutlich, dass vor allem hohe Sommertemperaturen nötig sind damit es zur Ausbreitung tropischer Viren kommt.
Die Ausbreitung des West-Nil-, Sindbis- oder Usutu-Virus könnte in Deutschland durch Aedes albopictus beeinflusst werden. Genaue Daten sind dazu aber nicht vorhanden, da normalerweise Stechmücken der Gattung Culex für die Verbreitung dieser Viren verantwortlich sind, ist ein durch die Asiatische Tigermücke erhöhtes Risiko für den Menschen eher unwahrscheinlich. Das Risiko bei einem Stich mit Dirofilarien infiziert zu werden ist durch die Ausbreitung von Aedes albopictus in Deutschland gestiegen. Da jedoch die Infektionsraten der einheimischen Mücken mit Dirofilarien sehr gering sind, ist nicht davon auszugehen, dass sie von großer medizinischer Bedeutung sein werden.